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yogalehrer-ausbildung in indien: ein erfahrungsbericht

Der Gedanke ist wohl jedem schon einmal gekommen, der vom „Yoga-Virus“ angesteckt wurde: Wie kann ich meine Leidenschaft für Yoga an andere weitergeben? Bei mir reifte die Idee, Yoga auch zu unterrichten, zu Beginn des Jahres 2017, als meine Mutter unter schlimmen Hüftschmerzen litt (mittlerweile hat sie zum Glück ein neues Hüftgelenk, mit dem sie sich wieder besser bewegen kann). Ich recherchierte im Netz nach Yoga-Asanas, die ihr Linderung bringen könnten, und zeigte ihr die Übungen. Das Zusammenstellen eines Flows und die Hilfestellung bei den Übungen machten mir großen Spaß, und so begann ich, immer mal wieder nach Ausbildungsmöglichkeiten in Indien zu suchen. Das Angebot war unglaublich, und ich konnte mich nicht auf eine Option festlegen.

Den entscheidenden Ausschlag sollte nur kurze Zeit später ein Gespräch mit einer lieben Kollegin bringen, die vor einigen Jahren das 200-Stunden-Teacher-Training bei Sampoorna Yoga in Goa abgeschlossen hatte. Ihre Augen begannen zu leuchten, als sie mir von ihren Erfahrungen erzählte. Ein paar Klicks auf paradiesische Bilder des Yoga-Village später hatte ich mich beworben – und begann die ersten Baby-Schritte meiner Reise.

Da ich aufgrund meines Jobs nicht eben mal so vier Wochen verreisen kann, musste ich mich nämlich noch bis Weihnachten gedulden, um in den Flieger zu steigen. Eine gewisse Vorbereitungszeit würde ich aber jedem wärmstens ans Herz legen, der eine solche Ausbildung plant. Nach meiner Anmeldung für den Kurs hatte ich nämlich eine umfassende Liste an Büchern bekommen, die man vor dem Beginn lesen sollte.

Nur die wenigsten beschäftigen sich allerdings wirklich mit den Inhalten, die einem da nahegelegt werden – mit dem Ergebnis, dass sie weit mehr Stunden hinter ihren Büchern als am Strand zubringen. Da ich das Meer und die Sonne Goas so intensiv wie möglich genießen wollte, las ich also an verregneten Sommer- und grauen Herbsttagen eine kommentierte Ausgabe des Yoga-Sutra und legte mir auf memorize.com eine Lerndatenbank der Sanskrit-Namen aller Asanas der Ashtanga Primary Series an.

Auch das grandiose Anatomie-Buch von Leslie Kaminoff lag ständig auf meinem Nachttisch. Zugegeben, ganz firm war ich noch nicht, als ich endlich in München abhob – aber ich hatte eine solide Grundlage geschaffen, die mir in Goa ein bisschen Zeit für Entspannung bringen sollte.

Mit „Urlaub“ hat ein YTT nämlich wenig zu tun. Auch wenn der kleine Mikrokosmos Agonda Beach ein wahres Ferienparadies ist, hat man doch kaum Zeit, die fabelhafte Umgebung zu genießen. An sechs von sieben Tagen der insgesamt 3 ½-wöchigen Ausbildung hieß es um spätestens sechs Uhr aufstehen – und das, in meinem Fall, auch am 25. Dezember und 1. Jänner (!). Um 06.30 Uhr ertönte bereits das erste gemeinsame Om aus dem Shala am Hügel – der Beginn einer einstündigen Morgenmeditation, bei der auch Pranayama und Chanten geübt wurde. Nach einer kurzen Pause mit Chai, Keksen und Bananen ging es nach dieser Morgeneinheit wieder hinauf in das unglaublich schöne Hilltop-Shala, in dem man auf einen Palmenhain und das Meer hinabschauen konnte – wenn, ja wenn man nicht den Großteil der folgenden 2 Stunden im herabschauenden Hund oder anderen Posen der Ashtanga Primary Series zugebracht hätte. Ich sah die Palmen also meist umgedreht – auch schön.

Nach einem gesunden, aber superleckeren Frühstück mit frischen Früchten, Porridge und herzhaften Pfannkuchen wurden ich und die 30 weiteren Jungs und Mädels meiner Gruppe bis in den Nachmittag hinein in Philosophie und Anatomie unterrichtet. Zwischen 13.00 und 15.00 Uhr blieb dann ein bisschen Zeit, um nach dem Mittagessen an den nur wenige Meter entfernten Strand zu gehen oder einen Tee im Mandala-Café am Eck zu genießen. Von drei bis sechs oder sieben am Abend erlernten wir dann die Grundprinzipien des Yogaunterrichts, Sequencing einer Klasse, die richtige Ausführung der Asanas und Hilfestellungen für Schüler. Gefolgt von einer regulären- oder einer Yin-Yog-Klasse. Kein Wunder also, dass wir nach dem Abendessen zwischen neun und zehn Uhr völlig erledigt ins Bett fielen – um am nächsten Tag wieder im Morgengrauen den Hügel zu besteigen. Eat, sleep, Yoga, repeat – im wahrsten Sinne des Wortes.

Why worry? If you have a problem, and you can figure out a way to solve it, you don`t have to worry. If you don`t find one, there`s nothing you can do about it. So why should you worry then, too?

Sudhir Rishi, Leiter der Ausbildung bei Sampoorna

Lernen und genießen

Obwohl die Ausbildung körperlich und geistig extrem anstrengend ist, war sie gleichzeitig unglaublich bereichernd und voller schöner Momente. Die gepflegten Cottages verfügten über ein großes Bad und ein tolles Bett, jedes hat eine Veranda, vor dem liebevoll gepflegte Pflanzen wuchsen. Beim Essen im großen, überdachten Speisebereich konnte man leicht Kontakte knüpfen, über Lernstoff sprechen oder sich austauschen, wenn man sich nicht gut fühlte. Bereits nach ein paar Tagen hatten wir uns angefreundet und erkundeten zusammen Agonda Beach – begleitet von dem einen oder anderen Cocktail, versteht sich. Auch Yogis sind schließlich nur Menschen, die mal abschalten und genießen möchten. Neben der Fülle an interessanten Menschen aus aller Welt, die man beim Teacher-Training kennenlernt, waren aber auch die Inhalte der Unterrichtsstunden super-inspirierend. Egal, ob wir anhand von Skippy, unserem Plastik-Skelett, die Funktion von Gelenken oder die Besonderheiten der Wirbelsäule entdeckten, oder über das Prinzip der Schicksalsergebenheit in den Philosophiestunden diskutierten – die Lehrer nahmen sich genügend Zeit, um all unsere Fragen zu beantworten und uns Yoga in allen Aspekten näherzubringen.

Genauso umfassend war am Ende allerdings auch die Prüfung – und so sah man ab der zweiten Woche überall in Agonda Yogis und Yoginis über ihre Bücher gebeugt sitzen oder Übungsfolgen zusammenstellen. Die Sonntage verbrachten viele gemeinsam am Strand – immer begleitet von Unterlagen und Notizheften, um Flows zusammenzustellen oder zu lernen. Wer glaubt, eine Yogalehrer-Ausbildung in Indien sei eine sichere Sache, die man nur bezahlen muss, um das Zertifikat zu erhalten, irrt sich gewaltig – wer die 100-prozentige Anwesenheitspflicht in den Stunden (Ausnahme: Grippe etc.) oder die Prüfung nicht schafft, bekommt auch keine Bescheinigung. Schließlich garantiert das von der internationalen Yoga Alliance anerkannte Zertifikat, dass die angehenden Lehrer wissen, wie eine Yoga-Klasse gefahrenfrei und sinnvoll angeleitet werden kann.

Trotz der anspruchsvollen Ausbildung kann ich eine solche Erfahrung in Indien nur jedem schwerstens empfehlen, der noch tiefer in die Welt des Yoga eintauchen oder andere davon begeistern will. Ich denke auch Monate später noch gerne an alle Erfahrungen zurück – auch an die schmerzhaften Momente und die Anspannung vor meinem finalen Prüfungsflow. Gemeinsam mit dem wunderbaren Haufen der „Tulpen“-Gruppe waren alle Anstrengungen einfach zu meistern. Kein Wunder also, das wir heute noch regelmäßig in Kontakt sind und die Reise jedes einzelnen gespannt verfolgen. Ich habe in Indien Freunde auf der ganzen Welt gewonnen und gelernt, mich selbst nicht so wichtig und jede Situation gelassen anzunehmen. Wenn mir das im Alltagsstress mal nicht gelingt – und das passiert natürlich – beame ich mich gedanklich zurück an diesen wunderbaren Ort, atme ganz tief ein und bin dankbar, dass ich die Möglichkeit hatte, so etwas Außergewöhnliches zu erleben und so viel zu lernen.

Wenn du dich für eine Ausbildung in Goa interessierst, klicke hier: Sampoorna Yoga, Goa

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